Tourismus und Handel in NRW von Pleitewelle bedroht

Diese Branchen brauchen jetzt dringend Perspektiven

Eine Sonderauswertung der Blitzumfrage von IHK NRW vom 17.04. zeigt die existenzbedrohende Lage in den besonders betroffenen Unternehmen aus dem Reisegewerbe, dem Gastgewerbe und dem Einzelhandel. An der Umfrage hatten sich in der vergangenen Woche über 3.200 Unternehmen aus ganz Nordrhein-Westfalen beteiligt, davon 600 aus den betroffenen Branchen.

„Die Rückmeldungen aus dem Reise- und Gastgewerbe sowie dem Einzelhandel sind mehr als alarmierend. Denn trotz fehlender Umsätze müssen Fixkosten wie Mieten und Gehälter weiterhin bezahlt werden.“, erklärt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW.

Die Umsatzeinbrüche werden kurzfristig nicht aufzuholen sein. Im Reisegewerbe befürchten 69 Prozent der befragten Unternehmen Umsatzrückgänge von mehr als 50 Prozent für das Gesamtjahr 2020. Im Gastgewerbe geht mehr als jedes dritte Unternehmen von Rückgängen über 50 Prozent für 2020 aus. Und auch im Einzelhandel werden massive Umsatzeinbrüche erwartet. Einem Drittel der Einzelhändler drohen Rückgänge von 25 bis 50 Prozent, acht Prozent von mehr als 50 Prozent.

Ohne weitere unterstützende Maßnahmen steigt das Insolvenzrisiko in den Branchen teils dramatisch an. Im Reisegewerbe erwarten drei Viertel der befragten Unternehmen, dass sie in 2020 Insolvenz anmelden müssen. Im Gastgewerbe liegt der Anteil bei 60 Prozent, im Einzelhandel immerhin noch bei 38 Prozent.

„Die ab heute möglichen Teil-Öffnungen können vielen Unternehmen des Einzelhandels helfen. Eine kurzfristige Wiederöffnung ist aber nicht jedem Betrieb so einfach möglich. Es müssen zum Beispiel neue Waren erst eingekauft und der Personalbedarf geplant werden. Hinzu kommen jetzt auch noch die notwendigen Schutz- und Hygienemaßnahmen“, betont Mittelstädt.

Über drei Viertel der befragten Einzelhändler können schnell wieder öffnen (27 Prozent arbeiten bereits, 50 Prozent können ohne Vorlauf öffnen). In der Gastronomie und im Reisegewerbe benötigen jedoch mehr Unternehmen einen zeitlichen Vorlauf, um ihre Betriebe an die neuen Bedingungen anzupassen.

Daher sollte noch vor Mai mit den betroffenen Branchen an den Bedingungen für eine Öffnung gearbeitet werden. Angesichts der für viele Unternehmen absehbar noch länger ausbleibenden Umsätze sind die Unternehmen erneut auf direkte Unterstützung angewiesen. Denn ohne eine Perspektive für das Wiederanlaufen erhöhen Kredite und Bürgschaften lediglich die Verbindlichkeiten.

Mittelstädt weiter: „Wir sind sehr um die Betriebe aus der Gastronomie, der Hotellerie, der Reise- und Freizeitbranche besorgt. Diese Unternehmen, sowie die Händler, die bis heute noch nicht öffnen dürfen, brauchen jetzt einen einheitlichen, fairen und umsetzbaren Plan für den Exit unter Einhaltung der erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen.“