Tourismus und Gastronomie brauchen jetzt Öffnungsperspektiven mit belastbaren Empfehlungen zu Schutz- und Hygienemaßnahmen

Das Tourismus- und Gastgewerbe, Reisebüros aber auch personenbezogene Dienstleistungen wie etwa Nagel- und Kosmetikstudios sind in einer existentiellen Krise. Den Unternehmen fehlt bislang eine belastbare Perspektive im Mai für ein Wiederanfahren - als Folge stehen zahlreiche Betriebe kurz- bis mittelfristig vor dem Aus.

Aus der Blitzumfrage von IHK NRW, an der sich bis zum 17.04. rund 3.200 Unternehmen aus ganz NRW, davon über 600 aus den besonders betroffenen Branchen des Reisegewerbes, Gastgewerbes und des Einzelhandels beteiligt haben, lassen sich erste Rückschlüsse ziehen, wie auch in diesen Branchen ein Wiederanlaufen unter Einhaltung der erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen organisiert werden kann.

„Die Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung, ihren Mitarbeitern und Kunden sehr bewusst, zumal noch für einen langen Zeitraum mit gesundheitlichen Gefährdungen zu rechnen ist. Der überwiegende Teil der Betriebe ist daher bereit, - selbst einschränkende - Schutz- und Hygienemaßnahmen zu ergreifen und so ihre Betriebe auf die eine „neue Normalität“ vorzubereiten, damit sie im Gegenzug zumindest in Teilen wieder öffnen können.“, sagt Thomas Meyer, Präsident von IHK NRW.

Vielfach haben die Unternehmen bereits mit den Planungen von Schutz- und Hygienemaßnahmen begonnen oder diese schon umgesetzt. Die Unternehmen setzen - den Vorgaben des Robert Koch Instituts folgend - vor allem auf Mindestabstandsregel (93 Prozent im Einzelhandel), auf Desinfektionsangebote (84 Prozent im Gastgewerbe) und auf Mundschutz für die eigenen Mitarbeiter (75 Prozent im Einzelhandel). Auch sind die Unternehmen bereit, bauliche Vorkehrungen zu treffen.

Um verantwortungsvoll im Sinne ihrer Kunden und Mitarbeiter öffnen zu können, benötigen die Unternehmen aber eine verbindliche Handreichung mit angemessenen und anerkannten Maßnahmen. Unerlässlich ist hierbei ein landesweites - besser noch wäre ein bundesweit abgestimmtes - Vorgehen, um einen Flickenteppich an unterschiedlichen Vorgaben zu verhindern.

Für eine effiziente Vorbereitung, ist eine belastbare und absehbare Öffnungsperspektive im Mai erforderlich. Andernfalls wird die anhaltende Schließung die Reserven der Unternehmen und damit auch den Spielraum aufzehren, den sie für ein erfolgreiches Wiederanlaufen und für geeignete bauliche und organisatorische Schutzmaßnahmen benötigen. Die Unternehmen, die keine unmittelbare Perspektive haben, wieder (voll) anfahren zu können, benötigen dann eine weitere, auch direkte Unterstützung. (vgl. http://ihk-nrw.de/beitrag/tourismus-handel-nrw-pleitewelle-bedroht)

Beim schrittweisen Öffnen des Tourismus- und des Gastgewerbes ist zu beachten, dass viele Wertschöpfungsketten nur im Verbund am Standort funktionieren:

  • Im Gastgewerbe können Hotels und Pensionen vielfach erst dann wieder öffnen, wenn vor Ort auch gastronomische und touristische Angebote oder der Handel öffnen können.
  • Ohne die Öffnung von Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungsangeboten fehlt in den touristischen Regionen oft die Grundlage für Besuche und auch für die Naherholung. Einige Anbieter und Regionen leben gerade von der Verkettung touristischer Angebote und Dienstleistungen und können losgelöst, bzw. als Satellit, nicht wirtschaftlich betrieben werden.
  • Zum Wiederanfahren des Geschäfts- und Tagungsangebots ist es zudem erforderlich, die Anforderungen an die Durchführung von Veranstaltungen zu konkretisieren.

„Ein behutsames und schrittweises Wiederanfahren der Tourismus- und Freizeitbranche und eine Ausweitung der Öffnungsmöglichkeiten im Handel kann nicht in Abhängigkeit von Branchen- oder Größenkennziffern erfolgen. Hier ist es notwendig, die Anforderungen wirksamer Gesundheits- und Hygienevorgaben in den Betrieben und am Standort zu gewährleisten.“, so Meyer weiter.

Gemeinsam sollten Kommunen und Standortgemeinschaften jetzt Wege finden, wie eine angemessene Besucher- und Kundendichte im öffentlichen Raum erreicht werden kann.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.