Mehr Frauen für das IHK-Ehrenamt

  • Landesweite Netzwerkveranstaltung der IHK NRW für Frauen
  • Motivationsvortrag von Boxweltmeisterin Regina Halmich
  • „Wir wollen Frauen in Führungspositionen für gesellschaftliches Engagement gewinnen“

„Sehr geehrte Damen, wir haben Sie heute eingeladen, weil die IHK Organisation Sie und Ihr Knowhow braucht.“ Mit diesen Worten eröffnete Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen sowie Vize-Präsidentin der IHK NRW, die Veranstaltung „S.I.E. – Stark im Ehrenamt“ am Montagnachmittag in der Zeche Zollverein in Essen. Die bekannte ZDF-Journalistin und Moderatorin Barbara Hahlweg führte durch den Nachmittag. Rund 150 Frauen mit Führungspositionen aus ganz Nordrhein-Westfalen waren zum Erfahrungsaustausch und zum Netzwerken gekommen. Als Rednerinnen waren geladen Diane Jägers, Leiterin der Abteilung Gleichstellung im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, Anna Yona von der Wildling Shoes GmbH und Gewinnerin des Gründerpreises NRW 2018 sowie als Keynote Speakerin Regina Halmich, die das Frauenboxen in Deutschland salonfähig machte und von 1995 bis 2007 den Weltmeistertitel im Frauenboxen hielt.

Aktuell liegt der Anteil von Unternehmerinnen in den Vollversammlungen der IHKs in NRW bei rund 20 Prozent. „Das Ehrenamt in den IHKs ist also keine reine Männerdomäne mehr“, wie Jutta Kruft-Lohrengel meinte. Aber es ist noch Luft nach oben. Immerhin werden bereits über 30 Prozent aller Unternehmen in Nordrhein-Westfalen von Frauen geführt. Denn gerade Frauen können von der Arbeit in Organisationen wie den IHKs und in Netzwerken profitieren, Erfahrungen sammeln und diese nutzen, um ihre politischen Themen zu setzen.

„Wir müssen Frauen dazu motivieren, dass sie Berufsziele genauso mutig und entschlossen vertreten wie ihre männliche Kollegen“, forderte Diane Jägers. So verließen mittlerweile mehr Frauen die Schule mit Abitur als Männer (55 Prozent zu 45 Prozent), auch der Anteil der Akademikerinnen liege in der jungen Generation bei den Frauen höher als bei Männern. „Doch wenn es um die Verteilung der Spitzenpositionen geht, ziehen Frauen noch zu oft den Kürzeren“, so Jägers. Dabei ergäben Studien, dass Unternehmen, die auf Geschlechterviel-falt setzen, im Schnitt besser abschneiden als Wettbewerber. Jägers forderte die Frauen auf, sich zu einem klaren „Ich will das“ zu bekennen und sich ähnlich wie Männer in Netz-werken zu organisieren. Auch Diana Rudolph, die als systemischer Coach insbesondere für Frauen arbeitet und an dem Treffen als Panel Diskutant teilnahm, unterstrich die Bedeutung von Netzwerken für Frauen. „Hier geht es etwa auch darum, sich Rückversicherung bei-spielsweise bei der Leistungsbeurteilung zu beschaffen“, so Rudolph.

Wie Familie und Unternehmensgründung unter einen Hut zu bekommen sind, erklärte Gründerin Anna Yona von Wildling Shoes. Nachdem sie und ihr Mann Ran Yona im Jahr 2013 mit ihren Kindern aus Israel zurück nach Deutschland kam, fanden sie nicht die Schuhe vor, die sich ihre Kinder wünschten und entschloss sich, diese selbst zu produzieren. Ihr Erfolgsgeheimnis: „Die Zusammenarbeit mit meinem Mann“, wie Anna Yona es auf den Punkt bringt, denn er trägt ganz selbstverständlich als Partner seinen Teil bei – sowohl während der Gründungsphase als auch im Haushalt und im Familienleben. „Es gehören aber auch die richtigen Partner, die richtigen Kontakte und viel Optimismus dazu.“ Anna Yona ist bereits in vielen Netzwerken, bislang aber noch nicht in der IHK aktiv. „Dann kommen Sie zu uns und setzen Ihre Themen auf die Agenda“, ermunterte IHK NRW Vizepräsidentin Jutta Kruft-Lohrengel die erfolgreiche Jungunternehmerin, „bei uns können Sie viel bewegen.“

„Wie sich Frauen durchsetzen können“, erklärte Regina Halmich in ihrer Rede. Ihr Rat: „Wenn Sie etwas wollen, dann setzen Sie es durch und lassen Sie sich von keinem Widerstand abbringen.“ Als Regina Halmich Anfang der 90er Jahre mit dem Boxsport begann, war dies laut der Statuten nicht erlaubt – „diesem Verbot haben wir uns nicht gebeugt, sondern das Frauenboxen nach Deutschland gebracht.“ Dass es dazu viel Disziplin und mentale Stärke braucht, streitet Halmich nicht ab, zumal Frauen in den Männerdomänen immer eine gute Portion mehr an Leistung bringen müssen. „Aber Frauen zweifeln zu oft an sich, sie müssen ihren Stärken mehr vertrauen.“ Ihr abschließender Rat: „In der IHK sind Sie ein starkes Team, nutzen Sie dieses Netzwerk.“ Mit dem Motto „S.I.E. – Stark im Ehrenamt“ soll das Netzwerk weitergeführt werden, waren sich alle Teilnehmenden einig.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.