IHK NRW verabschiedet "handelspolitische Leitlinien" für NRW

  • IHK NRW verabschiedet „handelspolitische Leitlinien“ für NRW
  • Einzelhandel braucht Chancengleichheit
  • Fokus auf kleinere Städte und Mittelzentren

Der Einzelhandel gehört mit mehr als 700.000 Beschäftigten und Auszubildenden zu den bedeutendsten Wirtschaftsbranchen in NRW und doch spielt er in wirtschaftspolitischen Fragen häufig nur eine Nebenrolle. Dabei ist er immer noch prägend für die Lebensqualität in einer Stadt und damit ein wichtiger Standortfaktor im Wettbewerb um Facharbeitskräfte. Daher hat die Mitgliederversammlung von IHK NRW nun erstmals „handelspolitische Leitlinien“ für NRW verabschiedet, verbunden mit der Aufforderung an die kommende Landesregierung, den Einzelhandel stärker ins Zentrum zu rücken.

Es sind nicht nur die verkaufsoffenen Sonntage, die den Handel derzeit umtreiben. Die Diskussion über neue FOC-Standorte in Remscheid, Wuppertal, Werl oder Duisburg beschäftigen die Branche ebenso wie drohende Dieselfahrverbote in den Innenstädten oder der stetig wachsende Neuwarenverkauf auf so genannten Trödelmärkten. „Der Einzelhandel wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als „selbstverständlich“ vorausgesetzt, und wenn er schließt, dann ist die Verwunderung groß“, beschreibt Ralf Kersting, Präsident von IHK NRW e.V. die Situation. Doch in Zeiten, in denen es ein erhebliches Flächenüberangebot gibt und der Onlinehandel rasant steigende Umsatzzahlen verzeichnet, sind Auswirkungen auf Städte und Stadtteilzentren unausweichlich. „Gerade in den kleineren Städten und Mittelzentren bricht der Handel weg“, ergänzt Kersting.

Mit den handelspolitischen Leitlinien will IHK NRW einen Beitrag dazu leisten, über den Wert des Handels für die Städte nachzudenken und politische Rahmenbedingungen zu verändern. „Wir müssen in NRW noch mehr tun, um den Handel in den Innenstädten zu fördern. Gleichzeitig müssen wir auch akzeptieren, dass alte Handelsstandorte nicht beliebig wiederbelebt werden können, sondern man auch über die Verkleinerung von Handelsbereichen nachdenken muss“, sagt Kersting und ergänzt: „Leider noch ein Tabu-Thema in vielen Städten“.

In ihren handelspolitischen Leitlinien benennt IHK NRW ein breit angelegtes Maßnahmenbündel, um den Einzelhandel in NRW zu fördern: konsequente Steuerung großflächiger Einzelhandelsansiedlungen vor den Toren der Städte, Öffnung der Städtebauförderung für private Initiativen vor Ort, Erreichbarkeit der Zentren sichern und vor allem Bürokratie abbauen.

Und schließlich gibt es noch ein Thema, was den Handel beschäftigt: Chancengleichheit. Es ist schwer vermittelbar, wenn es dem Handel praktisch unmöglich gemacht wird, an gerade mal 4 Sonntagen im Jahr zu öffnen, während auf Trödelmärkten oftmals Neuwaren verkauft werden. Oder es ist ebenso schwer vermittelbar, dass im Onlinehandel sonntags eingekauft werden darf und im stationären Handel nicht. „Der Handel wünscht sich einfach, ernst genommen und nicht als „selbstverständlich“ angesehen zu werden“ sagt Kersting, „und darauf hat er ein gutes Recht!“.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.