IHK NRW Bildungskongress setzt Impulse für Bildungssystem

  • IHK NRW Präsident Ralf Kersting fordert Flexibilität auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes
  • Ministerpräsident Armin Laschet setzt auf enge Zusammenarbeit bei der dualen Ausbildung
  • Prof. Dr. Richard David Precht pocht auf neuen Fokus auf Bildungsziele statt Lehrpläne im Schulsystem
  • Große Zustimmung für Schülersprecher Philipp Schultes, der sich mehr kreatives und selbständiges Lernen in der Schule wünscht

Zum dritten Mal nach 2013 und 2015 folgten am Mittwoch circa 400 Gäste der Einladung der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen zum landesweiten Bildungskongress. Unter dem Motto „Wissen.Weiter.Bildung“ entstanden lebhafte Diskussionen zum Bildungssystem in NRW.

Ralf Kersting, Präsident von IHK NRW, richtete in seiner Begrüßung einen Appell an Unternehmen und Ausbildungsplatzsuchende, flexibel zu sein. Während Jugendliche auch weniger bekannte Berufe in den Fokus nehmen und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht an der Grenze des Wohnorts Halt machen sollten, könnten Unternehmen sich noch mehr als bisher auch für schwächere Bewerber öffnen, so Kersting. Gemeinsam ließe sich so am Zustand rütteln, dass es Jahr für Jahr zeitgleich zig Tausende „unversorgte“ Jugendliche und unbesetzte Ausbildungsstellen gibt.

Ministerpräsident Armin Laschet will dafür sorgen, dass Betriebe und Jugendliche besser zusammenfinden: „Wir müssen die Trendwende schaffen, dass die Ausbildungsplätze besser besetzt werden und kein Jugendlicher mehr ohne Ausbildungsstelle bleibt.“ Angebot und Nachfrage im Ausbildungsmarkt seien in den einzelnen Regionen NordrheinWestfalens sehr unterschiedlich. „Hier heißt die Herausforderung, Jugendliche und Ausbildungsplätze so zusammenzubringen, dass beides wirklich zueinander passt“, so der Ministerpräsident.

Der Philosoph und Bestsellerautor Prof. Dr. Richard David Precht kritisierte das Schulsystem in seiner heutigen Form. Eine Orientierung an Bildungszielen statt an starren Lehrplänen sei erforderlich, um die Stärken der Schulen zu entfesseln.

Abschließend wurde das Publikum des Bildungskongresses zum Mittelpunkt des Geschehens. Mittels einer TED-Abfrage konnten die 400 Gäste über Thesen von Richard Stigulinszky aus dem Ministerium für Schule und Bildung, des Schülersprechers Philipp Schultes vom Kölner Hansa-Gymnasium sowie von Thorsten Rogmann, Personalleiter der Weseler Clyde Bergemann GmbH, abstimmen. 88 % stimmten dabei dem Schülersprecher zu, der findet, dass kreatives und selbständiges Lernen, auch was die Persönlichkeitsfindung angeht, in der Schule zu kurz komme. Große Zustimmung fand auch Personalleiter Rogmann für seine Forderung, dass für die duale Ausbildung wieder mehr geworben werden müsse. 94 % sahen das genauso.