Gründerreport 2017

Gründerreport von IHK NRW: Gutes Klima für Selbstständige in NRW

Umfangreiche Studie erkundet die Erfahrung von Unternehmensgründern Fast die Hälfte der Befragten bescheinigt dem Land ein positives Gründungsklima Die Mehrheit der Gründer kommt aus einem festen Beschäftigungsverhältnis Neue Landesregierung hat die hohe Relevanz für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erkannt

Zwar beklagt fast jeder zweite Gründer im Gründerreport von IHK NRW den „bürokratischen Aufwand“ beim Schritt in die Selbstständigkeit, doch 70 Prozent würden einem guten Freund empfehlen, sich ebenfalls selbstständig zu machen. Insgesamt bescheinigen die Gründer dem Land ein gutes Gründerklima. Das ist das wichtigste Ergebnis der ersten umfassenden Untersuchung zur Situation von Existenzgründern, für die mehr als 550 Gründer der IHK NRW ausführlich Rede und Antwort standen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass unser Land für Gründer attraktiv ist“, sagt Ralf Kersting, der Präsident von IHK NRW. „Das ist für uns von enormer Wichtigkeit, denn NRW war immer ein Gründerland und wir brauchen das wirtschaftliche Potenzial junger Unternehmen für die Zukunft unseres Landes“. Die neue Landesregierung hat die hohe Bedeutung des Gründungsgeschehens für NRW erkannt und neue Initiativen sowie neue Instrumente angekündigt. Als IHK-Organisation stehen wir bereit, die nötigen Schritte zu gehen und umzusetzen, damit die Bürokratie im Gründungsprozess sinkt und die Gründer an die nötigen Hilfeleistungen kommen können. Für ihren Gründungsreport befragte die IHK NRW mehr als 10.000 Existenzgründer, die sich im ersten Halbjahr 2016 in NRW selbstständig gemacht hatten. Rund 550 von ihnen beantworteten den umfangreichen Fragebogen und ermöglichten damit erstmals einen statistisch validen Einblick in die persönliche Gesamtsituation von Unternehmensgründern in Nordrhein-Westfalen.

Mit knapp 50 Prozent bewegt sich der Großteil der Gründerinnen und Gründer in der Altersstufe zwischen 35 und 55 Jahren; immerhin jeder Dritte ist jünger als 25 Jahre. In der Mehrzahl entscheiden sich erfahrene Fachkräfte zum Schritt in die Selbstständigkeit, jeder zweite gründet aus einem Beschäftigungsverhältnis heraus. Haben sich die Gründer einmal entschieden, gehen die Vorbereitungen relativ schnell: Gut 70 Prozent der Befragten brauchten dafür nach eigenen Angaben weniger als sechs Monate. Nur 22 Prozent der Befragten nahmen eine Gründungsberatung in Anspruch, was überraschend wenig ist. „Hier müssen wir auch als IHKs noch mehr Aufklärungsarbeit leisten. Eine intensive Gründungsberatung ist ein wesentlicher Grundstein für die Erfolgschancen einer Gründungsidee“, sagt Ralf Kersting.

Die meisten befragten Gründer starten mit relativ wenig Kapital. Mehr als die Hälfte setzte weniger als 5.000 Euro ein, nur knapp acht Prozent investierten mehr als 100.000 Euro. Mehr als drei Viertel verwendeten dabei ausschließlich eigenes Geld, nur gut 22 Prozent nutzen zur Gründung Fremdkapital. Bei den meisten Befragten reichte das Eigenkapital, immerhin bei jedem dritten Gründer (31 Prozent) verlief der Weg in die Selbstständigkeit ohne Schwierigkeiten. 44 Prozent beklagten den bürokratischen Aufwand, 29 Prozent die komplexe Steuergesetzgebung. Als weitere Hürden stellten sich den Gründern die Kapitalbeschaffung (gut 17 Prozent) und die Zulassungsvoraussetzungen (knapp 10 Prozent) in den Weg. Insbesondere jüngere Gründer (62 Prozent) stellt der bürokratische Aufwand vor Probleme.

Immerhin 64,5 Prozent der Befragten sehen das Gründungsklima als gut oder sogar sehr gut an, weitere 28 Prozent als befriedigend. Und: Fast 70 Prozent würden den Schritt in die Selbstständigkeit auch einem Freund empfehlen. Die Mehrheit bereut den Schritt in die Selbstständigkeit folglich nicht. Bereits die Hälfte (55 Prozent) kommt nach einem Jahr der Selbstständigkeit mit ihren Einnahmen über die Runden. Weitere 28 Prozent erwarten dies spätestens in einem halben Jahr; lediglich knapp 17 Prozent sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels.

„Dies zeigt, dass die Mehrheit der Gründer mit ihrem Schritt in die Selbstständigkeit Erfolg haben“, sagt Ralf Kersting. „Aber die vergleichsweise hohe Zahl derjenigen, bei denen die neue Existenz nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reicht, zeigt auch die Risiken einer Gründung auf“. Die Studie soll nun in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um so auch langfristige Veränderungen im Gründungsklima Nordrhein-Westfalens analysieren zu können.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NordrheinWestfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.