Digitalisierung am praktischen Beispiel

  • 1.German-Baltic Digital Summit in Düsseldorf
  • Erfahrungsaustausch und Kooperationsgespräche zwischen Unternehmern
  • Minister Pinkwart: „Baltische Staaten sind die Benchmark bei Digitalisierung“
  • IHK-NRW-Vize-Präsident Schmitz: „Im Wettbewerb gegen die USA und China droht Deutschland eine Niederlage“

Auf dem 1. German-Baltic Digital Summit in Düsseldorf trafen sich 270 Teilnehmer aus Deutschland und den baltischen Ländern, um in Referaten, Workshops und vor allem im direkten Kontakt über Perspektiven und Geschäftsmodelle der Digitalisierung zu sprechen und Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit auszuloten. Dazu waren allein 60 Vertreter baltischer Unternehmen aus Estland, Lettland und Litauen angereist. „Die baltischen Länder sind mittlerweile die Benchmark bei Thema Digitalisierung“, sagte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart. „Gerade bei der Umstellung der Verwaltung können wir als die Erfinder der Bürokratie hier noch sehr viel lernen.“

Rund 99 Prozent aller Verwaltungsakte werden heute in den baltischen Ländern online abgewickelt – nur für Hochzeiten und Scheidungen sowie für Immobilienkäufe sind noch das persönliche Erscheinen notwendig. In der Bevölkerung trifft diese Entwicklung auf eine hohe Zustimmung. Ein Grund dafür ist eine hohe Transparenz, jeder Bürger kann nicht nur seine eigenen gespeicherten Daten einsehen, sondern auch nachverfolgen, welches Amt sie wann und wie verwendet. Drei Vertreter der baltischen Regierung – Viljar Lubi vom estnischen Wirtschaftsministerium, Edmunds Belskis vom lettischen Umweltministerium und der litauische Vize-Wirtschaftsminister Elijus Civilis - gaben hier in der Podiumsdiskussion Einblick in die praktische Politik ihrer Regierungen.

Thomas Schöllkopf, der Präsident der deutsch-baltischen Handelskammer, warnte davor, die schnelle Entwicklung in den mit nur sechs Millionen Einwohnern vergleichsweise kleinen baltischen Ländern nicht ernst zu nehmen: „Diese Arroganz können wir uns nicht leisten. Größe zählt in der digitalen Welt nur wenig, da alles skalierbar geworden ist.“ Diese Mahnung unterstrich Andreas Schmitz, Präsident der IHK zu Düsseldorf und Vize Präsident der IHK NRW, sehr deutlich: „Im Match gegen die USA und China liegen wir deutlich zurück – und das in der zweiten Hälfte der zweiten Halbzeit. Und eine Verlängerung gibt es nicht.“

Nordrhein-Westfalen hat diese Gefahr erkannt und treibt insbesondere die Erschließung der Gewerbe- und Schulstandorte prioritär voran. Doch in vielen Unternehmen ist das Thema Digitalisierung noch nicht ausreichend angekommen. Hier sollen der Erfahrungsaustausch und auch Kooperationen mit baltischen Unternehmen helfen, die sich unterstützt von der Regierung einer „smart specialisation“ verschrieben haben. Der Dialog wurde in Podiumsdiskussionen und Expertengesprächen etwa zu E-Government, Datensicherheit oder Cyber Security vertieft.

Mit 270 Teilnehmer lag der Zuspruch schon auf der ersten Veranstaltung über den Erwartungen. Eine zweite Veranstaltung ist daher sehr wahrscheinlich.