Coronakrise aktuell: Liquiditätssicherung bleibt oberste Priorität – Unternehmen bei Schutz- und Hygienemaßnahmen mitnehmen

Die Blitzumfrage von IHK NRW vom 17.04., an der sich in der vergangenen Woche über 3.200 Unternehmen aus allen Branchen in Nordrhein-Westfalen beteiligt hatten, zeigt die angespannte Finanzierungslage in der NRW-Wirtschaft.

Trotz der bereits erfolgten Hilfen stellt die Liquiditätssicherung viele Unternehmen vor erhebliche Probleme. Sehr kurzfristig, und u. a. auch beim Wiederanlaufen sind die Unternehmen daher auf weitere direkte Unterstützungen angewiesen. Hierbei setzen die Unternehmen vor allem auf steuerliche Maßnahmen (47 Prozent bzw. 34 Prozent) - wie etwa die heute diskutierte Ausweitung des steuerlichen Verlustvor- und rücktrags – sowie erneute Soforthilfen (41 Prozent).

„Die Diskussion um verpflichtende Schutz- und Hygienemaßnahmen stellt die Unternehmen vor wachsende Probleme. Ohne konkretere Anforderungen fällt es ihnen schwer, entsprechende Vorbereitungen zu ergreifen.“, sagt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen wünsche sich mehr Unterstützung bei der Bereitstellung von Schutz- und Hygienemaßnahmen (45 Prozent).

„Ohne weitere Soforthilfen wird es nicht gehen. Die Abwicklung der Soforthilfen war bisher sehr erfolgreich. Durch die schnellen Hilfen haben viele Unternehmen Sicherheit für vier bis acht Wochen gewonnen. Spätestens im Mai benötigen sie aber vor allem in den besonders betroffenen Branchen erneut Hilfen.“, erklärt Mittelstädt.

Im Reisegewerbe (80 Prozent), dem Gastgewerbe (65 Prozent) und im Einzelhandel (52 Prozent) sind in vielen Unternehmen die Umsätze komplett weggefallen. In diesen Branchen setzen die Unternehmen auf weitere Zuschüsse, um ihren Betrieb fortführen zu können. Überbrückungskredite (23 Prozent), Bankkredite (13 Prozent) und Bürgschaften (13 Prozent) können diese Finanzierungslücken kaum schließen. Die Unternehmen, die keine unmittelbare Perspektive haben, wieder (voll) anfahren zu können, benötigen weitere direkte Unterstützung - auch in Form Gutscheinen und Fondslösungen. Um die spätere Fortführung ihrer Unternehmen zu sichern, benötigt Teile einen langfristigen, strukturellen Impuls, damit Innovation, Investitionen und neue Geschäftsmodelle entstehen können.

Beim Wiederanfahren steigt der Finanzierungsbedarf: Absehbar stellt das Wiederanfahren die NRW-Wirtschaft vor neue erhebliche Finanzierungsanforderungen. In vielen Branchen wird eine schnelle Rückkehr zum Vorkrisenniveau nicht möglich sein. Dennoch werden diese Unternehmen in der zu erwartenden Phase mit geringeren Umsätzen weiter investieren, beschaffen und an ihren Mitarbeitern festhalten.

„Deswegen müssen die Anforderungen an die Finanzierungsinstrumente schon heute an die veränderte Fortführungsperspektive realistisch angepasst werden. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die sich bereits vor der Krise in einem schwierigen Umfeld befanden.“, fordert Mittelstädt.

Ebenso behält das Kurzarbeitergeld für 32 Prozent der befragten Unternehmen eine hohe Relevanz.

Die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der die Märkte international wieder anlaufen, führen zu Verzögerungen in den Liefer- und Wertschöpfungsketten. Als eine Folge steigt der Druck im Forderungsmanagement. Auf der anderen Seite fehlt in vielen Branchen die weltwirtschaftliche Nachfrage. Damit die international verflochtenen Wertschöpfungsketten wieder voll anlaufen können, wird es einen breiten Nachfrageimpuls durch ein generelles – am besten international koordiniertes - Konjunkturprogramm (35 Prozent) brauchen.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.