Betriebe halten an ihren Auszubildenden fest

Ein Lichtblick in der Coronakrise: Aktuell verzeichnen die IHKs in NRW keine spürbaren Zuwächse von Vertragslösungen bei Azubis. Sobald aber wirtschaftliche Verwerfungen zunehmen, werden Unterstützungsmaßnahmen notwendig.

Bisher verzeichnen die Industrie- und Handelskammern in NRW keinen spürbaren Zuwachs bei Vertragslösungen.

„Den Unternehmen ist klar: Azubis, die wir heute nicht ausbilden, fehlen uns nach der Krise als Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt.“, betont Thomas Meyer, Präsident von IHK NRW.

Kurzarbeitergeld für Auszubildende gibt es – anders als für andere Mitarbeiter – erst nach sechs Wochen. Dass die Betriebe trotzdem an ihren Azubis festhalten können, verdanken sie vor allem zwei speziellen Ausbildungsmodellen: Wenn ein Betrieb zurückgefahren, aber nicht vollständig eingestellt werden muss, hilft die Teilzeitausbildung. Im Einvernehmen mit dem Azubi können zunächst reduzierte Ausbildungsstunden an das Ende der Ausbildungszeit angehängt werden. Bei der Verbundausbildung hingegen geben von Schließungen betroffene Unternehmen ihre Auszubildenden an Betriebe ab, die auch in Corona-Zeiten viel zu tun haben. Eine Win-Win-Win-Situation: Der aufnehmende Betrieb erhält eine unterstützende Arbeitskraft; der abgebende Betrieb spart für diese Zeit die Vergütung; der Auszubildende erhält spannende Einblicke in ein anderes Unternehmen.

Sollten in Zukunft aber mehr Ausbildungsbetriebe in Insolvenzverfahren rutschen, würde das über kurz oder lang auch dazu führen, dass Azubis ihre Plätze verlieren. Die IHKs in NRW bereiten sich deshalb schon jetzt darauf vor, diese jungen Leute bei der Suche nach neuen Ausbildungsplätzen zu unterstützen. Sie verstärken ihre Vermittlungsaktivitäten und nutzen persönliche Kontakte für die Direktakquise. Die IHK Lehrstellenbörse soll um eine Übernahmebörse erweitert werden.

IHK NRW Präsident Thomas Meyer wünscht sich aber auch Unterstützung der öffentlichen Hand: „Wenn junge Menschen dringend einen neuen Betrieb suchen, die Unternehmen aber kaum für die Zeit nach der Krise planen können, macht es Sinn über einen Übernahmebonus für Ausbildungsbetriebe nachzudenken.“

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.