10 Fakten zur Flächennutzung in NRW

  • „10 Fakten zur Flächennutzung in NRW“:
  • IHK NRW will mit Broschüre über Missverständnisse aufklären

Über die Nutzung von Flächen wird in der Öffentlichkeit leidenschaftlich diskutiert. Dabei kommt die Wirtschaft häufig nicht gut weg, gerne wird sie sogar als „Flächenfresser“ bezeichnet. Die Broschüre „10 Fakten zur Flächennutzung in NRW“ soll die Diskussion ver-sachlichen. „Die Debatten über die Flächennutzung zu Ungunsten von Landwirtschaft und Natur ist von einigen Missverständnissen und Fehlinterpretationen geprägt“, erklärt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW, dem Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. Deshalb haben die IHKs unter Federführung der IHK Mittlerer Niederrhein Zahlen und Fakten gesammelt, ausgewertet und übersichtlich in der Broschüre zusammengestellt. Die zugrundeliegenden Flächenangaben beruhen auf amtlichen Zahlen von IT.NRW.

„Bei der Debatte um die Zunahme von Siedlungs- und Verkehrsflächen wird häufig übersehen, dass nicht jede Siedlungs- und Verkehrsfläche auch tatsächlich bebaut ist“, sagt Mittel-städt. Nur 45,9 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen in NRW sind tatsächlich auch versiegelt.

„Darüber hinaus ist ein Blick auf die Entwicklung der einzelnen Flächenanteile sehr interes-sant“, betont der Hauptgeschäftsführer. So gehen seit Jahren die Gewerbe- und Industrie-flächen in Summe zurück – im Jahr 2015 um 9.800 Quadratmeter pro Tag. Dafür haben die Erholungsflächen in diesem Jahr um 57.000 Quadratmeter zugelegt. „Ohnehin zeigen die Zahlen auch im längerfristigen Vergleich, dass der Anteil der Grünflächen nicht etwa sinkt, sondern steigt.“ So habe die Landwirtschaft in NRW in den vergangenen zehn Jahren zwar etwa 54.544 Hektar Flächen an andere Nutzungen abgegeben, Gewerbe- und Industrie ha-ben in dieser Zeit aber nur 248 Hektar Fläche in Anspruch genommen. „80 Prozent der landwirtschaftlichen Verluste der letzten 10 Jahre sind nicht dem Siedlungsbau zuzuschrei-ben, sondern kamen den grünen Nutzungen Erholung, Wald und Wasser zugute“, betont Mittelstädt.

„In der Summe zeigen die Zahlen, dass Unternehmen auf den effizienten Einsatz von Flächen setzen“, sagt der Hauptgeschäftsführer. „Gewerbe- und Industrieflächen nehmen in NRW nur 2,2 % der Landesfläche in Anspruch.“

Laut dem Bundesamt für Statistik wurden im Jahr 2015 für Siedlungs- und Verkehrsflächen 3,1 Hektar pro Tag bebaut. Damit werde das von der Landesregierung formulierte politische Ziel, täglich nicht mehr als 5 Hektar in Anspruch zu nehmen, längst erfüllt.

„Wir sehen aber auch, dass der Raum, den die Wirtschaft nutzen kann, immer kleiner wird“, erläutert Mittelstädt. Umso wichtiger sei es, von starren Flächensparzielen abzurücken. „Sie widersprechen der Realität, blockieren die wirtschaftliche Entwicklung und gefährden unse-ren Wohlstand.“ Deshalb sei es wichtig, dass für die Unternehmen ein quantitativ und quali-tativ ausreichendes Angebot an freien Gewerbeflächen zur Verfügung steht. Dazu gehört neben Neuausweisungen auch die Einhaltung des Trennungsgebotes zwischen Wohngebieten und Gewerbe- bzw. Industriegebieten. „Die Wohnraumknappheit darf nicht dazu führen, dass Gewerbe- und Industrieflächen durch heranrückende Wohnnutzungen zurückgedrängt werden.“

In diesem Zusammenhang weist Mittelstädt darauf hin, dass die Bedeutung der Brachflächen für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung häufig überschätzt wird. Oftmals sei die Wohnbebauung so nah an die Gebiete herangerückt, dass eine gewerblich-industrielle Nut-zung, die mit Lärm, Geruch und hohem Verkehrsaufkommen verbunden ist, nicht mehr möglich sei. Hinzu komme, dass nur zwei Drittel der Gewerbe- und Industrieflächen, die in den Regionalplänen berücksichtigt sind, aufgrund planungs- und umweltrechtlicher Vorgaben genutzt werden können. Daher sei es erforderlich, dass bei der Frage nach verfügbaren Gewerbeflächen die jeweiligen Planungsebenen und Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt werden müssen. Die Kommunen sollten dafür sorgen, dass vor Ort genügend Flächen für Gewerbe und Industrie zur Verfügung stehen.

„Eine Versachlichung der Diskussion tut Not, um einen zielführenden Kompromiss zu finden, der den Belangen von Natur, Landwirtschaft, Wohnbauentwicklung und Wirtschaft ent-spricht“, erklärt Mittelstädt. „Die in der Broschüre zusammengestellten Fakten sollen hierzu einen Beitrag liefern und den Dialog fördern.“

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.